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Med I - Schwerpunkt Elektrophysiologie / Herzrhythmusstörungen

Ablation von Vorhofflimmern

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist die bei weitem häufigste Herzrhythmusstörung. Der Herzschlag ist dabei komplett unregelmäßig (sog. Absolute Arrhythmie) und meist auch sehr schnell. Am Herzen, genauer im Vorhof, besteht während Vorhofflimmern ein „elektrisches Chaos“ mit völlig ungeordneten und gleichzeitig nebeneinander bestehenden Stromflüssen. Mechanisch führt dies dazu, dass die Vorhofbewegung so schnell wird, das dieser nur noch zuckt, also de facto stillsteht.
Vorhofflimmern allein ist nicht bedrohlich, allerdings kann es mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergehen. Vor allem jüngere Patienten haben oft erhebliche Beschwerden i.S. von Herzrasen und -stolpern, Schwindel, Druck auf der Bruck, Atemnot und meist auch einen starken Leistungsknick.
Es besteht allerdings je nach individuell vorhandenen zusätzlichen Risikofaktoren ein Schlaganfallrisiko, dem mit einer medikamentösen Gerinnungshemmung (Marcumar oder ein neuer Gerinnungshemmer, sog. NOAK: Pradaxa®, Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®) begegnet werden muss. Dies ist zugleich die wichtigste Therapiemaßnahme  bei Vorhofflimmern.

Typischerweise durchlaufen Menschen mit Vorhofflimmern mehrere Krankheitsstadien: Zu Beginn kommt es nur selten zu Vorhofflimmerepisoden, welche kurz anhalten und von alleine aufhören. Im Verlauf werden diese Episoden häufiger und länger anhaltend und irgendwann lassen sie sich nur noch aktiv beenden (s. Kardioversion). Im Spätstadium ist gar kein Erhalt des normalen Rhythmus (sog. Sinusrhythmus) mehr möglich.

 

Was löst Vorhofflimmern aus?

Für die Auslösung insbesondere der anfallsartigen Form von Vorhofflimmern bzw. in der Frühphase der Erkrankung sind fast immer elektrische Störimpulse („Fehlzündungen“) aus den sog.  Lungenvenen (Pulmonalvenen) verantwortlich. Die Lungenvenen sind Blutgefäße, welche aus der Lunge kommend in den linken Vorhof (eine der vier Herzkammern) münden. In die Lungenvenen ziehen Ausläufer von Herzmuskelfasern aus dem linken Vorhof, in diesen können sich oben genannte Störimpulse bilden.

Anatomie PV EP Homepage

 

Wie wird Vorhofflimmern behandelt?

Insbesondere wenn Vorhofflimmern Beschwerden verursacht (z.B. Herzstolpern/-rasen, Leistungsknick) wird in vielen Fällen zunächst durch rhythmusstabilisierende Medikamente versucht, das Herz so lange und so gut wie möglich im normalen Rhythmus zu halten. Gegebenenfalls muss zuvor der normale Rhythmus mit einer Kardioversion wiederhergestellt werden.
Bei älteren, weniger aktiven oder schwer herzkranken Menschen kann es zur Beschwerdelinderung genügen, den normalen Herzrhythmus nicht wiederherzustellen und stattdessen während anhaltendem Vorhofflimmern mit Medikamenten für eine weitgehend normale Herzfrequenz zu sorgen.
Wenn ein normaler Rhythmus angestrebt wird und die Medikamente nicht mehr greifen oder nicht vertragen werden, kann Vorhofflimmern durch eine Katheterverödung (siehe auch Elektrophysiologische Untersuchung / Katheterablation) behandelt werden. Für junge, sonst gesunde Menschen, die ausdrücklich auf Medikamente verzichten wollen, ist die Katheterverödung auch primär eine sinnvolle Option.
Der optimale Zeitpunkt für eine Katheterbehandlung ist dann gekommen, wenn die Rhythmusstörung „Fahrt aufnimmt“, d.h. eine Häufung und Verlängerung der Episoden bemerkt wird, diese aber möglichst noch anfallsartig oder zumindest kurz anhaltend sind.

 

Wie funktioniert die Katheterablation von Vorhofflimmern?

Bei der Ablation von Vorhofflimmern wird zunächst genauso vorgegangen, wie bei der herkömmlichen Katheterablation. Um in den Bereich der Lungenvenen zu gelangen, werden ein bis zwei Katheter vom rechten in den linken Vorhof eingeführt, wobei zunächst mithilfe einer speziellen Nadel die Scheidewand zwischen beiden Vorhöfen durchstochen wird.
Um die Einmündung der Lungenvenen in den linken Vorhof wird mit dem Ablationskatheter eine elektrisch isolierende, kreisförmige Narbe erzeugt (sog. Pulmonalvenenisolation). Oben genannte Störimpulse können so nicht mehr auf den Vorhof übergreifen und kein Vorhofflimmern mehr auslösen.

Katheterablation von Vorhofflimmern

Durch ein hochmodernes Computersystem kann hierbei ein individuelles virtuelles 3D-Modell des linken Vorhofes erstellt werden, in dem in Echtzeit unter Verzicht auf Röntgenstrahlung gearbeitet werden kann

Komplettierte Lungenvenenisolation (braune Kreise: Ablationspunkte)

 

Gibt es alternative Techniken für die Lungenvenenisolation?

Alternativ können die Lungenvenen auch mit einem Eisballon (Kryoballon) isoliert werden. Hierzu wird ein Ballon im abgelassen Zustand vor die Einmündung der Lungenvene platziert und dann aufgeblasen. Der jetzt kugelförmige bzw. runde Ballon wird auf die runde Lungenveneneinmündung gepresst, so dass eine kreisrunde Anlagefläche rund um die Veneneinmündung entsteht. Jetzt wird die Außenhülle des Ballons auf -80°C gekühlt, so dass es im Bereich dieser Anlagefläche zu einer kreisrunden „Erfrierung“ kommt, die denselben Zweck wie die durch Hitze erzeugte Narbe (s.o.) erfüllt, nämlich die Lungenvene elektrisch isoliert (sog. Kryoablation oder Cryo-Pulmonalvenenisolation).

Cryo-Pulmonalvenenisolation

 

Wie läuft die Pulmonalvenenisolation ab?

Während der Untersuchung erhalten sie Narkosemedikamente, so dass Sie schlafen und keine Schmerzen haben. Die Untersuchungsdauer beträgt ca.1½ – 3 Stunden. Hiernach werden die Katheter entfernt, und Sie erhalten einen Druckverband in der Leiste bis zum Folgetag, Bettruhe muss für 6 Stunden eingehalten werden.
Zu den vorbereitenden Untersuchungen zählen ein Ultraschall des Herzens von der Speiseröhre aus (Transösophageale Echokardiographie, TEE) zum Ausschluss von Blutgerinnseln im Vorhof, sowie ein CT des Herzens zur besseren Orientierung während der Katheterablation. In aller Regel können Sie 1-2 Tage nach dem Eingriff die Klinik verlassen.
Eine Gerinnungshemmung (Marcumar®, NOAK) ist für mindestens 3-4 Wochen vor dem Eingriff erforderlich, Marcumar® muss für den Eingriff nicht abgesetzt werden, NOAKs sollten 24 Stunden vor dem Eingriff pausiert werden. Rhythmusmedikamente sollten ununterbrochen eingenommen werden.

 

Wie effektiv ist der Eingriff?

Die Erfolgschance im Sinne der Freiheit von Vorhofflimmern bzw. nur noch sehr seltener Episoden liegt bei 75 – 90%, um diese Erfolgsrate zu erreichen kann allerdings bei 1/3 der Patienten ein Zweit- und selten auch ein Dritteingriff notwendig sein. Ein wesentlicher Faktor ist hierbei das Stadium der Erkrankung. Insbesondere in fortgeschritteneren Stadien (Vorhofflimmern schon durchgängig über Monate vorhanden) liegen die Erfolgsraten niedriger.

 

Wie sicher ist der Eingriff?

Die Katheterbehandlung von Vorhofflimmern ist ein sicheres Verfahren mit niedrigen Komplikationsraten von 1-3%, vergleichbar dem Einsetzen eines Stents in ein Herzkranzgefäß. Auch hier gilt, dass es sich um überwiegend nicht schwere Komplikationen handelt.

 

Was ist nach dem Eingriff zu beachten?

Für mindestens 3 Monate nach dem Eingriff ist eine Gerinnungshemmung (z.B. Marcumar®, NOAK) obligat (in der Regel trotz Ablation eher dauerhaft).
Die vor dem Eingriff verabreichten Rhythmusmedikamente werden zunächst weitergegeben. In der Abschlussbesprechung, welche nach 3 Monaten in unserer Rhythmussprechtsunde stattfindet, wird dann entschieden, ob Sie diese absetzen können.

 


Weitere Informationen:

 

Sekretariat

Janette Vaz
Telefon: 02131 / 888 - 20 01
Telefax: 02131 / 888 - 20 99
jvaz@lukasneuss.de

Notfalltelefone

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Internistische Intensivstation
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