Einrichtungen intern

Abteilung für 
Krankenhaushygiene

Die wichtigsten Aufgaben der  Krankenhaushygiene bestehen in der Beratung des gesamten Rheinland Klinikums in allen krankenhaushygienischen und infektionspräventiven Fragestellungen. Oberstes Ziel ist die Vermeidung der Übertragung von Erregern und die Vermeidung von im Krankenhaus erworbenen (nosokomialen) Infektionen.

Hierfür wird Folgendes routinemäßig durchgeführt:

• Teilnahme am Krankenhaus-Infektionssurveillance-System (KISS) des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance nosokomialer Infektionen (NRZ) am Robert-Koch-Institut und Präsentation der erhobenen Daten 
Erfassung der Händedesinfektionsmittelverbrauchs 
Erfassung ausgewählter Krankheitserreger 
Erfassung ausgewählter nosokomialer Infektionen 
• Hospitationen und Begehungen aller Bereiche des Rheinland Klinikums (z.B. Normal- und Intensivstationen, Notaufnahme, Operations- und Funktionsbereiche, Küche, Zentralsterilisation usw.) unter infektionspräventiven Aspekten
• Erstellung und Aktualisierung von Hygieneplänen, -leitlinien / -standards
• Individuelle Beratung und Schulung des Personals in allen Fragen der Infektionsprävention und der Vermeidung von Erregerübertragung
• Erkennung, Beratung , Dokumentation und Management von Ausbrüchen
• Vorgaben im Umgang mit multiresistenten Erregern (z.B. MRSA)
• Durchführung von gezielten Umgebungsuntersuchungen
• Hygienische Beratung bei der Durchführung von Bauprojekten
• Analyse und Bewertung der hausinternen Antibiotikaresistenzstatistik

Das Team der Krankenhaushygiene des Rheinland Klinikums besteht aus insgesamt acht Hygienefachkräften unter der ärztlichen Leitung von Dr. René Fussen. Unterstützt wird die Abteilung durch die hygienebeauftragten  Ärztinnen und Ärzte der einzelnen Fachabteilungen, die Hygienebeauftragten in der Pflege und die gemeinsame Hygienekommission des Rheinland Klinikums.

Über die krankenhaushygienischen Aufgaben hinaus werden auch infektiologische Visiten durchgeführt und infektiologische Fragestellungen bearbeitet. 

 

Geschichtlicher Wandel
in der Hygiene

  • Hygiene [griech.] (Gesundheitslehre), die Lehre von der Gesundheit einschließlich Gesundheitspflege und Gesundheitsfürsorge sowie die dafür getroffenen Maßnahmen, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Mensch und seiner belebten und unbelebten Umwelt befasst.
  • Die Geschichte der Hygiene reicht in Zeiten zurück, in denen die ersten Zivilisationen erkennbar sind. Anhand von Knochenfunden, aber auch bei Untersuchungen von Mumien wurden Keime festgestellt, die in der Lage waren, Organismen zu zerstören. 
  • Berühmt war Ägypten wegen seiner Ärzte. In den Schriften des Pharaos Sahure 2400 v. Chr. sind Diagnosen und Rezepte enthalten.
  • Der älteste erhaltene medizinische Text ist ein gynäkologisches Traktat (um 1900 v. Chr.).
  • In früheren Kulturstufen wurden Krankheiten als Strafe Gottes angesehen. Deshalb wurden Schriften mit Geboten und Verboten verfasst. In ägyptischen Schriftrollenetwa  waren Vorschriften, Gebote und Verbote zur Gesundheitslehre enthalten.
  • Texte zur Gesundheitslehre enthalten auch religiöse Schriften wie der Talmut, der Koran und das Alte Testament (Beispiel: das Händewaschen vor der Mahlzeit bzw. das Verbot, Schweinefleisch zu essen (Trichinen).

Bekannte Schriften
zur Gesundheitslehre
bzw.  Hygiene 

  • Die hl. Schrift der Perser 1000-300 v Chr. "Aresta".
    Hier ist Medizin in der Religion verankert.
  • In der altindischen Kultur ca. 1500 v. Chr. wird Hygiene von der Priesterschaft betrieben.
  • Hippokrates, * auf Kos um 460v. Chr. Der hippokratische Eid gilt heute noch als "Ärztegelöbnis"
  • Larissa (um 370v. Chr., griech. Arzt)
    gilt als Begründer der Medizin, als Erfahrungswissenschaft aufgrund unbefangener Beobachtungen und Beschreibungen der Krankheitssymptome und einer kritischen, spekulationslosen Diagnostik.
  • Diokles v. Karystos, Schüler des Aristoteles, Anhänger des Hippokrates, berichtet in seinen Werken über die Chirurgie, anatomische Untersuchungen, über Hygiene und Heilkräuter.

Lange bevor Krankheitskeime nach unserem heutigen Stand bekannt waren, vermutete man, dass krankmachende Ausdünstungen des Bodens zu Krankheiten führten.

  • Mi|s|ma [gr.; "Besudelung, Verunreinigung"] das; -s, ...men: (nach überholter Anschauung) Krankheiten auslösender Stoff in der Luft oder in der Erde; [aus dem Boden ausdünstender] Gift-, Pesthauch.
  • Moses verpflichtete das (Gottes-)Volk kollektiv zu religiöser und sozialer Solidarität mit zahlreichen Vorschriften und Bräuche (v.a. Speisevorschriften, Beschneidung, Sabbatfeier), auch mit Bestimmungen über Absonderungen von "Aussätzigen sowie über Reinigungsmaßnahmen für Kleidung und Wohnung".
  • Galen (lat. Claudius Galenus), † 199 n. Chr., röm. Arzt griech. Herkunft.
    Neben Hippokrates der bedeutendste Arzt der Antike; schuf ein umfassendes System der Medizin. Er hatte erstmals die Erkenntnis , dass Hygiene der Krankheitsverhütung dient.
  • Avicenna (arab. Ibn Sina), gest. Hamadan 1037, pers. Philosoph und Arzt. Sein medizinSicher Handbuch "Kanon der Medizin" war 700 Jahre lang bis zum Beginn moderner Medizin unbestrittene Autorität.

Mittelalter

Erste soziale Sicherheiten auch im Gesundheitswesen wurden erzwungen durch die 

  • Magna Carta (1215), der zwischen König Johann ohne Land und Vertretern der Aufständischen, Barone sowie der Kirche abgeschlossene Vergleich. 
  • "Goldene Bulle", die 1356 eine der ersten Regelungen zum öffentlichen Gesundheitswesen enthielt.
  • Bis etwa 1500 fand medizinische Behandlung und die Pflege der Kranken zu Hause statt.

    Neuzeit

  • Eine erste Hygieneverordnung in Venedig regelte 1486 die Lebensmittelhygiene und Beaufsichtigung der Krankenhäuser (Magistratio dells Sanita)
  • Paracelsus, Philippus Theophrastus, eigtl. Philipp Aureolus Theophrast Bombastus von (ab) Hohenheim, †Salzburg 1541, Arzt, Naturforscher und Philosoph schwäbischer. Er strebte eine grundlegende Reform der Medizin an. Seine medizinischen Werke galten unter anderem der Syphilis und deren Therapie, den Berufskrankheiten der Berg- und Hüttenarbeiter, der Chirurgie und Wundbehandlung sowie einer allgemeinen Lehre von den Krankheitsursachen. 
  •  Johann v. Gott gründete 1540 eine karitative Vereinigung zur Betreuung von Kranken.
  • Im Julius-Spital Würzburg wurden 1576 erstmalig Infektionskrankheiten isoliert.
  • Im 17. Jahrhundert gab es in den meisten Hospitälern keine Trennung zwischen heilbaren Kranken, Siechen, Bettlern und Landstreichern.
  • Im 18. Jahrhundert wurden heilbare Kranke von den übrigen getrennt untergebracht. Später wurden nur noch heilbare aufgenommen. Auslöser für Hygieneprobleme war wohl die hohe Letalitätsrate der Patienten. Fast jeder dritte Patient starb nach einer Wundinfektion. 
  • Antonie van Leeuwenhoek, niederländischer Naturforscher, entdeckte mit Hilfe selbstkonstruierter Mikroskope u.a. die Bakterien (1676).

19. Jahrhundert

  • Louis Pasteur 1822 - 1895, frz. Chemiker und Mikrobiologe. Erkannte unter anderem  bei Sepsis und eitrigen Erkrankungen Mikroorganismen als Ursache und entwickelte ab 1881 Impfstoffe gegen Geflügelcholera, Schweinerotlauf und Milzbrand. 
  • Ignaz Philipp Semmelweis  1818 -1865, ungar. Gynäkologe.
    Erkannte die Ursache und Ansteckungsweise des Kindbettfiebers und empfahl die Desinfektion als Vorbeugemaßnahme.
  • Crede entdeckte 1848 die keimhemmende Wirkung von Kupfer, Silber und Quecksilber (Cre-de’sche Prophylaxe bei Neugeborenen).
  • G.H.A. Hansen wies 1874 mit dem Lepraerreger zum erstenmal ein Bakterium nach, das eine spezifische Krankheit verursacht.
  • Robert Koch entdeckte und isolierte 1882 den Tuberkelbazillus.
  • Max von Pettenkofer, 1818 - 1901 von (seit 1883), Begründer der experimentellen Hygiene; betonte die Abhängigkeit der Seuchenentstehung von der Beschaffenheit der menschl. Umgebung (bes. von Bodenverunreinigungen und Grundwasserstand).
  • Fürbringer setzte 1888 80%igen Alkohol zur Chirurgischen Händedesinfektion ein
  • von Behring entdeckte 1890 ein Heilserum gegen Diphterie
  • Joseph Lister, 1827 -1912,  brit. Chirurg. Begründer der antisept. Wundbehandlung.
  • Rudolf Virchow, 1821 - 1902, grundlegende Untersuchungen v.a. zur patholog. Anatomie. Begründete die Zellularpathologie, stand deshalb der aufkommenden Bakteriologie (R. Koch u.a.) zunächst skept. gegenüber; VorkämPferd der Hygiene (Desinfektion, Kanalisation u.a.).
  • Paul Ehrlich, 1854- 1915, entdeckte  als Schöpfer der Chemotherapie mit S. Hata das Salvarsan zur Behandlung der Syphilis; erhielt 1908 zus. mit I. Metschnikow den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
  • Emil von Behring, 1854 -1917, Begründer der Serumheilkunde und Mitbegründer der Immunitätslehre; stellte als erster Seren gegen Diphtherie und Tetanus her. Wurde 1893 Professor f. Hygiene an d. Uni Halle 1895 Leit. des  Hygiene-Instituts der Universität Marburg

20. Jahrhundert

  • Alexander Fleming, 1881 - 1955,  brit. Bakteriologe. Erhielt für die Entdeckung und Erforschung des Penicillins zus. mit H.W. Florey und E.B. Chain 1945 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin
  • Gerhard Domagk, 1895 - 1964, Pathologe und Bakteriologe. Führte die Sulfonamide in die Chemotherapie der bakteriellen Infektionen ein (zus. mit F. Mietzsch und J. Klarer) und entwi-ckelte u.a. Tuberkulostatika; 1939 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
  • Robert Koch-Institut, 1891 als Institut für Infektionskrankheiten gegr. und zuerst von R. Koch geleitetes Institut in Berlin, das sich Unterwandertem mit der Erforschung ansteckender Krankheiten bzw. deren Erreger sowie mit der Bekämpfung und Heilung dieser Krankheiten befasst.

Mit der Entdeckung verschiedener Keime, deren Übertragung, sowie die Entwicklung der Gegenmittel (Seren), kam es zu einer Zurückdrängung empfindlicher Keime.

  • Dass Bakterien Keime sind, die sich unserer Zeit und den dazu gehörigen Chemotherapeutika anpassen können, zeigt sich am Bild des Keimspektrums in unseren Krankenhäusern (siehe MRSA, ESBL). Immer wieder werden neue Keime wie das AIDS-Virus  gefunden, die die Menschheit bedrohen.
  • 1983 erläuterten die Australier Barry Marshall Und Robin Warren, dass das Bakterium Helicobacter pylori Ursache für Magengeschwüre sei. 
  • 1993 veröffentlichte Dr. Prusiner seine Hypothese, dass die Creuzfeld-Jakob-Erkrankung möglicherweise durch ein Prion übertragbar ist. 

21. Jahrhundert

  • Die Robert-Koch-Stiftung zeichnete 2003 Prof. Adriano Aguzzi als Entdecker des BSE-Infektionsweges aus. 
  • Der italienische Arzt Dr. Carlo Urbani (1957 - 2003) erkannte 2003 als erster das "Schwere Akute Atemnotsyndrom" (SARS).

Quellen:
Meyers Lexikon
Duden
Wissen.de
Wikipedia

 

Chefarzt Neumann

Prof. Dr. Andreas Neumann

Chefarzt seit 1. August 2008

Vita

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